Sommerkirche 2018 - 7 Sonntage an 7 Orten

15. Juli 2018 - St. Hedwig, Leeden

Predigt

von Inge Zumsande

 

22. Juli 2018 - Regenbogen Campingplatz, Leeden

Predigt

von

Pfarrer Peter Kossen

 

29. Juli 2018 - St. Christophorus, Ladbergen

Ansprache

von Alexander Fenker

 

 5. August 2018 - Maria Frieden, Lienen

Bericht

von Heino Paulisch

 

12. August 2018 - St. Margareta, Lengerich

Hinführung zum Thema

Ansprache

von Dr. Alois Thomes

 

19. August 2018 - St. Michael, Tecklenburg

Gastfreundschaft in der Bibel

Mai Seippel

Willkommenskultur - Beispiel

Agnes Kortland

 

26. August 2018 - Gemeindewallfahrt nach Telgte

Bericht

von Daniel Narberhaus

Sommerkirche 2017 - 6 Sonntage an 6 Orten

Sommerkirche in St. Michael

Die Sommerkirchen-Serie 2017 wurde in St. Michael Tecklenburg begonnen. „Liebster Jesu, wir sind hier, dich und dein Wort anzuhören,“ nach diesem Eingangslied begrüßte Pfarrer Günter Witthake etwa 80 Besucher in ökumenischem Sinne. So waren auch das Thema des Gottesdienstes und die Predigt ökumenisch geprägt, die trotz aller Unterschiede in Tecklenburg besonders intensiv gelebt wird. Das Glaubenszeugnis von Hans Martin Lagemann, der über 30 Jahre in den Ledder Werkstätten wirkte und auch heute noch in der Arche tätig ist, öffnete dann auch die Herzen der Zuhörer mit dem Bibelwort, das der kranke Apostel Paulus nach dreimaligem Flehen um Heilung, von Gott hörte: „Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Kor 12, 9) In dieser Gottesoffenbarung strahlt das ganze Evangelium auf: Lahme und Blinde, Schwache und die am Rande stehenden Menschen, wird Gottes Macht zugesprochen.

Diakon Lagemann wird konkret und spricht über Schicksale von Menschen, die er kennt und die sehr wahrscheinlich auch viele der Zuhörer kennen. Die Rede ist von Christoph, der in den Ledder Werkstätten arbeitete und viel zu schnell verstorben ist. Die Familie schrieb in der Todesanzeige: Er hat unser Leben veredelt.

Oder die junge Frau, die auf dem Weg zur Schule von einem LKW überfahren wurde und schwerste Verletzungen davontrug. „Als eine Abiturientenklasse aus Mettingen in unsere Werkstätten kam, bitte ich diese junge Frau, ihren Lebensweg zu beschreiben. Sie nennt viele Operationen, die ihren körperlichen Zustand verbessern sollten. Trotzdem muss sie für immer im Rollstuhl sitzen. Sie kann nicht so schlafen wie wir, weil ihr Schlafzentrum beschädigt ist. Aber sie schreibt Kurzgeschichten und malt Pferdebilder. Und dann ihr Schlusssatz: „Eigentlich bin ich Gott dankbar, dass ich behindert bin, denn dadurch bin ich ihm näher!“

Zwei unterschiedliche Personen, die trotz körperlicher Schwäche andere Menschen zum Nachdenken gebracht haben. Nicht durch viele Worte, sondern durch die Art und Weise, wie sie ihre Behinderung angenommen haben.

Ein Musterbeispiel ist Christian. Bei seiner Geburt war das Gehirn zu lange mit Sauerstoff unterversorgt. Die Folge ist eine totale spastische Lähmung und ein Leben im Rollstuhl. „Seine strahlenden Augen werde ich nie vergessen, obwohl er gefüttert werden muss und umfassende Versorgung mit intensiver Betreuung nötig ist. Als ich ihn fragte wie es ihm geht, antwortete er: „Mir geht es gut!“

Das ist doch gelebte Gnade, die Paulus uns zuspricht und die uns von Menschen vorgelebt wird, die wir oft als Behinderte abstempeln.“

 

Herr Lagemann führt noch einige andere Beispiele auf und hält die Aufmerksamkeit der Zuhörer weiter aufrecht. So sind Zitate von Bodelschwingh und Luther zu hören und letztlich seine eigene Hoffnung, dass das reformatorische Spektakel am 17. September 2017 auf der Tecklenburger Freilichtbühne ein Auftakt wird, wo wir gemeinsam nachdenken, was uns eint und nicht, was uns trennt.

Herr Lagemann schloss mit einem Lutherzitat: Die Kirche braucht eine Reformation. Sie ist aber nicht die Angelegenheit nur des Papstes, noch der Kardinäle. Es ist eine Angelegenheit der ganzen Christenheit. Danach sprach er das Gebet der Gemeinschaft Chemin-Neuf:

“ Herr Jesus Christus,

du hast gebetet, dass alle eins seien.

Wir bitten dich um die Einheit der Christen,

so, wie du sie willst,

und auf die Art und Weise, wie du sie willst.

Dein Geist schenke uns, den Schmerz der Trennung zu erleiden,

unsere Schuld zu erkennen, und über jede Hoffnung hinaus zu hoffen.

Amen ”

 

Die Gemeinde spendete spontan Applaus, was sonst nicht üblich ist. Pfarrer Witthake klagte mit einem Augenzwinkern: „Ich bin jetzt über 40 Jahre Priester, aber Applaus gab es noch bei keiner Predigt.“ Er dankte Hans Martin Lagemann für sein überzeugendes Glaubenszeugnis und überreichte ihm ein Buch mit dem Titel „Fundsache Luther“ und wünschte eine spannende Lektüre.

Zusammen feierten die Besucher die Eucharistie und sprachen gemeinsam, Hand in Hand, das Vater unser. Der Friedensgruß fehlte nicht und durch den Kirchenraum zog ein fröhliches Raunen.

Pfarrer Witthake entließ die Gemeinde mit dem Schlusssegen und dem Hinweis, dass auch diejenigen zum anschließenden Buffet eingeladen wären, die nichts mitgebracht haben. Das nahmen die Besucher (glaube ich) aufatmend zur Kenntnis.

Am Ausgang hielten die Bewohner der Arche noch eine kleine gestrickte Socke bereit. Sie sind Hosentaschengebete mit der Botschaft: Vollende dein Volk in der Liebe.

Danke für diesen schönen Gottesdienst und das anschließende reichhaltige Buffet.

Heino Paulisch

 

Fotoalbum Sommerkirche 2017

Sommerkirche St. Margareta

Sommerkirche in St. Margareta

„Dab dab dabe du da-dab, dab dab dabe du da!“ Na, das kann ja heiter werden, dachte ich, als die Musikgruppe „Lichtblick“ das Eingangslied zum zweiten Gottesdienst unserer Sommerkirche anstimmte. Zögernd, aber dann kräftig, sang die Gemeinde mit: „Wir wollen aufsteh’n, aufeinander zugeh’n, voneinander lernern, miteinander umzugeh’n“, ich sah wippende Füsse und mitschwingende Schultern in den Bänken „Aufsteh’n, aufeinander zugeh’n und uns nicht entfernen, wenn wir etwas nicht versteh’n.“ So wurde die Aufmerksamkeit der bunten Christenschar nach drei Liedstrophen schon auf einen hohen Level gebracht, als plötzlich Hufgetrappel in die Stille des Kirchenraumes drang. Herein stürmte ein Friedensreiter (leider ohne Pferd) und verkündete der verblüfften Gemeinde, dass nach 30 langen Jahren Krieg nun endlich Frieden eingekehrt sei.

Als der Friedenreiter seine Botschaft verkündet hatte und sich wieder „auf sein Pferd schwang“, war eigentlich schon jedem klar, welches Thema sich das Vorbereitungsteam  für den Gottesdienst ausgewählt hatte.

 

Suche Frieden, so heißt das Leitwort des nächsten Katholikentages in Münster. Die Gemeinde hörte eine Einführung zum Thema, welches dann im Mittelpunkt des Familiengottesdienstes stehen sollte.

Aber die Gemeinde war nicht zu einer Geschichtsstunde zusammen­gekommen, sondern zum Gottesdienst und wollte mit diesem geschichtlichen Aufhänger der Frage nachgehen, was Frieden heute für uns in der Welt, aber auch für uns ganz persönlich bedeutet. Jeder kennt die Alltagssituationen mit Kindern, Familie, Nachbarn und Öffentlichkeit.

Hier ein Beispiel:

A:     Das Polizeiauto wollte ich haben.

B:     Ich habe das jetzt.

A:     Ich habe aber zuerst gesagt, dass ich es haben will.

B:     Nahein.

A:     Gib es jetzt her. Los!

B:     Lass mich. Das ist meins! Mamaaaaa!


Nach einigen beeindruckenden Beispielen mehr, wurde jedem klar, worum es ging. Frieden haben und Frieden stiften hat immer mit Nachgeben zu tun, auf beiden Seiten!

 

Die Gruppe „Lichtblick“ spielte Lieder wie „Friedensnetz“ und „Tausend Jahre“, die gerne mitgesungen wurden. „Wir knüpfen aneinander an, wir knüpfen aufeinander zu, Shalom, shalom!“ oder „Tausend Jahre wie ein Tag, was auch kommen mag, du weißt um mich …“ so klang es aus dem Hintergrund. Stimmen und Instrumente der Gruppe „Lichtblick“ nahmen die Gemeinde mit und begleiteten das Thema des Gottesdienstes bis zum Schluss.

Der Friedensgruß, den wir Christen uns nach dem Vater unser geben, fiel ebenfalls ungewöhnlich aus. Statt des Händedrucks und des Ausspruch’s: „Der Friede sei mit dir“, wurde eine Weltkugel durch die Bänke gereicht, als Symbol und Bitte für Frieden für die ganze Welt. Ein starkes Zeichen, die Welt in unserer Hand! Ja, tatsächlich, wir sind es, die für Frieden in und für die Welt sorgen müssen. Wir können unseren Gott um Mut und Stärke bitten, aber tun müssen wir es schon selber!

So ging dieser sommerkirchliche Gottesdienst zu Ende und die Gemeinde stimmte das Patronatslied von St. Margareta an: „Patronin wir dich ehren, Sankt Margareta rein. Dein Vorbild mög‘ uns lehren, dein Beistand Schutz verleih’n.“ Der Refrain wurde zum Patronatsfest am heutigen Tag besonders kräftig gesungen: „Heil’ge Margareta, himmlische Patronin steh uns bei und hilf uns treu, dass uns Gott barmherzig sei!“

Mit zufriedenen Gesichtern strömten die Besucher den Ausgängen entgegen, um sich dann am bereitgestellten Buffet wieder zu versammeln, zu laben und in Gesprächen zu vertiefen. Das Wetter spielte mit und so war ein fröhliches Beieinander im und um das neue Gemeindehaus möglich.

Wieder ein Gottesdienst in unserer Sommerkirche mit ungewöhnlichen Elementen, die bereichernd wirkten, zum Nachdenken anregten und vielleicht auch unsere eigene Sensibilität für Friedenstiftendes beeinflusst hat.

 

Danke allen, die diesen Gottesdienst vorbereitet und durchgeführt haben.

Ich habe euch gerne zugehört.

23. Juli 2017, Heino Paulisch

 

Fotoalbum Sommerkirche 2017

Sommerkirche St. Christophorus

Die dritte Sommerkirche in St. Christophorus Ladbergen wurde wieder von vielen Gottesdienstbesuchern gut angenommen. Anlässlich des Patronatsfestes stand der Christusträger als Thema im Mittelpunkt des Gottesdienstes. Nach der Begrüßung von Pfr. Kossen und Pater Hürter wurde die versammelte Gemeinde aus dem Kirchenraum in den Innenhof zum Christophorus gebeten. Dort verlas Pater Hürter die Legende vom Heiligen Christophorus und wie die Gemeinde zu der Namensgebung kam. Nachdem sich die Gottesdienstbesucher wieder im Kirchenraum einfanden schilderte Elke Matyssek im Verlauf der Messfeier wie die Gemeinde zur Namensgebung gekommen sein könnte.

Als 1945 die ersten katholischen Flüchtlinge in das evangelische Ladbergen kamen, beladen mit allem was Krieg, Flucht und Vertreibung bedeutet, suchten sie auch Heimat im Glauben. Sie bekamen zur damaligen Zeit viel Unterstützung von den evangelischen Mitchristen. 1961 wurde die erste Notkirche am Tannenhof eingeweiht. Heute steht die neue im Jahre 1980 eingeweihte Kirche an der Waldseestraße. Als eigene Gemeinde sollte der Namenspatron in Beziehung zu den Vertriebenen stehen. Sie wollten, dass nach Tod, Leid, Dunkelheit das Leben wieder erwachen sollte, so wie der tote Stecken des Christophorus durch liebenden Dienst an Hilfsbedürftigen und dem göttliche Kind zum Blühen gekommen war. Was damals an Weggemeinschaft gewachsen war, hat bis heute Bestand und trägt die Hoffnung für morgen. Christophorus, der Wanderer in der Welt und zwischen den Welten.

Fürbitten wurden in Murmelgruppen von den Mitfeiernden formuliert und vorgetragen zu den Gedanken:

  • Wie kann ich heute Christus zu den Menschen tragen?
  • Wie helfe ich Anderen?
  • Wie kann ich in meinem Umfeld christlich handeln?

Zum Abschluss erteilte Pastor Kossen den Christophorus-Segen und die Gemeinde sang als Schlusslied das Christophorus Lied.

Nach dem Gottesdienst stärkten sich die etwa 100 Besucher am reichhaltigen und leckeren Mittagbuffet bei guten Gesprächen und netten Begegnungen.

30.07.2017, Maria Beumer

 

Fotoalbum Sommerkirche 2017

Sommerkirche Campingplatz "Regenbogen"

Der Mann an der Schranke winkte uns zu. Meine Frau und ich suchten einen Parkplatz. „Sie wollen doch sicher zur Kirche,“ stellte er lächelnd fest. Wir nickten und er öffnete die Schranke. „Fahren Sie nach links, dort machen wir einen provisorischen Parkplatz auf, nur bis ganz nach oben können wir Sie nicht fahren lassen.“ Welch passender Vergleich zum Thema des Gottesdienstes, wie sich noch herausstellen sollte.

Wir folgten dem schwarzen Pfeil auf dem Schild „Gottesdienst 11.00 Uhr“ und fanden eine feste, überdachte Bühne vor, auf der die Vorbereitungen zum Gottesdienst im Gange waren.

Pfarrer Kossen sprach dann von der Vorläufigkeit unseres Seins. Nichts ist für immer verfügbar, obwohl es immer da war. Gott ist für uns nicht beliebig verfügbar. Er ist da, in der Weise des Vorübergehens. Niemand „hat“ ihn.

Da fiel mir der Mann an der Schranke ein. Ein Moment des Vorübergehens, „fahren Sie nach links, dort finden Sie einen Parkplatz“ sagte er. Toll, den hatte ich vor dem Gottesdienst nicht und nach dem Gottesdienst würde ich ihn wieder verlassen müssen. Aber ich hatte ihn vorübergehend.

Im Evangelium des heutigen Tages erzählt Matthäus von der Wanderung Jesus auf einen hohen Berg. Bei ihm sind die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes. Auf dem Berg werden Sie Zeugen einer Erscheinung. Sie sehen Jesus im Gespräch mit Mose und Elija. Petrus scheint beeindruckt von der Vollkommenheit dieses Moments. „Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.“ Petrus möchte diesen Moment haben, weil er so vollkommen ist. Aber Gott ist nicht verfügbar. Jesus weiß das! Wir Menschen heute erfahren es täglich. Manchmal fühlen wir uns Gott so nah, wie heute beim Gottesdienst „… dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt.“ Aber manchmal ist er so fern, wir spüren ihn nicht in einer so scheinbar gottlosen Umwelt. Dann ist es schwer, Gott zu finden, der uns Halt gibt und unsere Haltung im täglichen Leben prägt.

Diese Stunde auf dem Campingplatz war wie das tägliche Leben. Gott war Anlass und Zweck der Versammlung von Christen. Es fehlten die schützenden Mauern der Kirche. Viele Eindrücke, die von Auge, Ohr und Nase rund um den Ort des Geschehens wahrzunehmen waren, lenkten ab, störten die Konzentration. In unseren Kirchen sind wir geschützt vor störenden Einflüssen und können uns voll auf Gott konzentrieren. Fehlten die Mauern wirklich? Ich finde, so ein Gottesdienst im Freien kann unsere Sinne schärfen. Die Nebengeräusche umgeben uns tagtäglich und wenn wir es schaffen, sie in den Hintergrund zu drängen, dann können wir Gottes Gegenwart besser erkennen und uns auf das Wesentliche konzentrieren.

Ich habe mich in dieser Stunde mit anderen davon überzeugt. Er ist da, Er ist für uns da, Er ist mitten unter uns! Eine Erfahrung die Gewissheit ist, aber eben nicht beliebig verfügbar nach meinem Geschmack.

Zufrieden wandte ich mich wieder meinem Alltag zu und verließ den mir zuvor zugewiesenen Parkplatz. Ein Platz der da ist, aber eben nicht verfügbar nach Belieben.

Nächstes Mal werde ich einen anderen Parkplatz finden.

 

Pfarrer Kossen dankte den Messdienern, der Musikgruppe, die sich spontan für diesen Gottesdienst fand, Sr. Marietheres und Frau Geretzki für die Vorbereitung und Begleitung sowie Frau Barlag für die Örtlichkeit und das gute Wetter. Zu guter Letzt begrüßte er Frau Carolin Wessels, die am 1. August ihren Dienst als Pastoralreferentin im Seelsorgeteam angetreten hat. Ich denke, wir werden bald von ihr hören.

6.8.2017, Heino Paulisch

 

Fotoalbum Sommerkirche 2017

Sommerkirche Maria Frieden

Manchmal ist man auf Hilfe angewiesen. Dann gelingt, was man sich vorgenommen hat, nur mit der Hilfe anderer. So ist es auch dieses Mal. Ich konnte nicht sein, wo ich hätte sein wollen. Andere, unvorhergesehene Ereignisse forderten meine Präsenz und Aufmerksamkeit anderswo. Dann ist gut, wenn man weitere Augen und Ohren „zu Hause“ gelassen hat. So haben meine zweiten Augen die hier eingestellten Fotos gemacht und meine weiteren Ohren vernahmen die gesprochenen Worte.

 

„Auf dem Weg“, so das Motto des Gottesdienstes in Maria Frieden. Im Mittelgang der Kirche waren in einer langen Reihe Egli-Figuren aufgestellt. Für jede Gemeinde eine Gruppe. Alle waren sie auf dem Weg zu Jesus, der ihnen mit ausgebreiteten Armen entgegensah.

Um die Zeit, als die Gemeinde sich auf den Gottesdienst einstimmte, war ich auch auf dem Weg, auf der A1 bei Hamburg. Meine Gedanken waren schon in Lienen und ich war gespannt, was meine zweiten Augen und Ohren wohl zu sehen und zu hören bekommen.

 

Wie bei allen bisherigen Gottesdiensten der Sommerkirche fiel auch dieser aus dem üblichen Rahmen. Zum Kyrie wurden Fragen gestellt, die sich jeder vielleicht schon selbst gestellt hat. „Herr, ich frage mich, wie bin ich auf meinem Lebensweg unterwegs: Stolpere ich manchmal über Steine, die auf meinem Weg liegen? Befinde ich mich in einer Sackgasse? Führt mein Weg ins Licht? In diesem besonderen Gottesdienst, hatte wohl jeder andere Antworten.

Die einfühlsame musikalische Begleitung unserer Organistin am Keyboard vom Altarraum aus und die Lieder „Vertrau den neuen Wegen“, „Zeige uns den Weg“ oder „Durch das Dunkel hindurch“, verstärkten die besondere Stimmung.

Anstelle der Lesung wurde die Geschichte des Hundes Jennie, der buchstäblich die „Schnauze voll“ hatte, vorgetragen und ließ die Zuhörer nachdenklich werden. „Es muss im Leben mehr als alles geben,“ dachte Jennie und lief davon. Eine Schlussfolgerung voller Widersprüche: Kann es denn noch mehr als alles geben? Lebe nicht am Leben vorbei! Das Wichtigste kannst du dir nicht verdienen. Du kannst es dir nur schenken lassen und dankbar annehmen.

Die Fürbitten kamen aus der Bank heraus. Eine davon: „Herr, hilf uns, dass wir nie von deinem Weg abweichen.“ Eine Bitte, die nicht immer leicht zu befolgen ist. Ich weiß es, viele andere sicher auch.

Zu leisem Orgelspiel wurde das Gedicht „Sternstunde“ von Ruth Heil vorgetragen. Ich kannte es nicht, aber es rührt mich an, nachdem ich es gelesen habe.

Gänsehaut wird mancher gehabt haben, als das Lied „Vergiss es nie / I Got You“ erklang: „Vergiss es nie, dass du lebst war keine eigene Idee, und dass du atmest, kein Entschluss von dir. Vergiss es nie, dass du lebst, war eines anderen Idee, und dass du atmest ein Geschenk an dich. Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, ganz egal, ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur. Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Du bist du, das ist der Clou. Ja, du bist du.“

All dies geschah, während ich mich auf der A1 Richtung Heimat bewegte und bin froh, dass meine zweiten Augen und Ohren mir davon berichten konnten. Danke an mein Auge Cornelia und mein Ohr Irmgard. Ich wäre wohl genauso begeistert gewesen von diesem Gottesdienst der Sommerkirche, wie ihr, wenn ich dabei gewesen wäre.

 

Nach dem Schlussgebet erwartete die Gemeinde ein reichhaltiges Buffet, das gerne angenommen wurde. Am Ausgang bekam jeder Besucher einen kleinen runden Stein, der mit verschiedenen Motiven bemalt ist. Mein Schwager schenkte mir seinen mit einer Blume. Danke, so bin ich fast selbst dabei gewesen.

13.08.2017, Heino Paulisch

 

Gebet "Sternstunde" und die Geschichte vom Hund Jennie, sowie das Lied "Vergiss es nie" mit vollen Text zum Nachlesen.

 

Fotoalbum Sommerkirche 2017

Sommerkirche St. Hedwig

Sonntags fängt der Tag bei uns etwas später an. Noch am Frühstückstisch hörten wir, wie das Glockengeläut von Maria Frieden zum Gottesdienst rief. Wir schauten uns fragend an: „Wenn wir jetzt gehen, kommen wir nicht zu spät“. „Nein“, sagte meine Frau „Du wolltest nach Leeden zur Sommerkirche“. „Ja, stimmt“, sagte ich. Und so machten wir uns auf den Weg nach Leeden und widerstanden der verlockenden Nähe zu unserer heimischen Kirche.

 

Die Reihen der Kirchenbänke in St. Hedwig waren gut besetzt und ich erkannte Gesichter aus Ladbergen, Lengerich, Lienen und Tecklenburg. Die Musikgruppe conTakt spielte sich mit dem Lied „Cantai ao Senhor“ ein. Spätestens nach dem Lied wurde jedem, der die Vorankündigung in der WN nicht gelesen hatte, klar, welches Thema der Gottesdienst haben würde. Die Hinführung zum Thema räumte letzte Zweifel aus. Brasilien, Steffi Langkamp und ihre Projekte „Casa Dia“ ein Drogenrehabilitations­zentrum und „Kinder des Himmels“ in Arraial, wurden mit Bildern und Texten vorgestellt. Diese Projekte werden seit vielen Jahren von St. Hedwig in Leeden unterstützt.

Für mich in der Kirchenbank ein Thema, mit dem ich in meinem Alltag nicht viel zu tun habe und deshalb aufmerksam dem Glaubenszeugnis von Maria Beumer folgte. Brasilien steht für mich und viele andere für Fußball, Weltmeisterschaft, Zuckerhut, volle Strände, ausgelassenes Leben und soziale Unruhen. Eben das, was uns über die Medien täglich vermittelt wird. Aber das Leid durch Drogen und der elende Alltag der Straßenkinder ist nicht so präsent. Hier hörte ich von Menschen, die durch den Einsatz ihrer Lebenszeit, eigenen und gespendeten finanziellen Mitteln, beseelt sind, Drogenabhängigen und Straßenkindern eine menschenwürdige Zukunft zu ermöglichen. Menschen wie Steffi Langkamp und ihre Mutter Hiltrud, Casa Dia-Gründer Flávio, die Mäusegruppe, die kfd und viele, viele andere Unterstützer. Die Kollekte war bestimmt für die Projekte in Brasilien und ich ließ es im Klingelbeutel statt klingeln, wie viele andere auch, gerne ein wenig rascheln.

 

Einen schönen Vergleich brachte die Musikgruppe conTakt mit dem Lied „Mandacaru“ einem Kaktus, der in der Wüste trotz lebensfeindlicher Umgebung Blüte und Schönheit hervorbringt. In den Wüsten der Schöpfung funktioniert das irgendwie von ganz allein. In den vom Menschen geschaffenen Wüsten bedarf es jedoch der Nachhilfe.

Danke allen, die uns das in diesem Gottesdienst vor Augen geführt und etwas nähergebracht haben. So klang auch der sechste und letzte Gottesdienst der Sommerkirche 2017 mit einem reichhaltigen Buffet und fröhlicher Stimmung aus. Am nächsten Sonntag höre ich dann wieder auf den Ruf meiner heimatlichen Kirche.

20.08.2017, Heino Paulisch

Fotoalbum Sommerkirche 2017

Fotoalbum "Casa Dia"

Fotoalbum "Himmelskinder"

Texte zum Gottesdienst