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Kunst, die nachdenklich macht

Die Otto-Pankok-Ausstellung in der St. Margareta Kirche findet ungeahnt große Resonanz. Barbara Schreck (links) mit Achtklässlern des Hannah-Arendt-Gymnasiums vor einem Selbstbildnis des Künstlers. Foto:(Michael Baar)

Lengerich - Der Blick ist ungläubig, aber das Gesicht trägt ein Lächeln. „Damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Günther Falkenberg. Was den Pfarrer der Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen so erstaunt, ist die Besucher-Resonanz auf die Otto-Pankok-Ausstellung in der Kirche. Gut 2000 Besucher haben seit dem 8. März die Werke des Künstlers gesehen, darüber nachgedacht, diskutiert, gemalt.

Das ehrgeizige Ziel des Organisations-Teams - sie sind übertroffen worden. Zwölf Workshops („Frieden schaffen ohne Waffen“, geleitet von Peter Kopmeier) haben sich mit den Aussagen in den Zeichnungen und Drucken auseinander gesetzt, 40 Schulklassen geschaut, den Unterricht in die Kirche verlegt, gemalt, gelacht, geschrieben und diskutiert. Zwei alternative Kreuzwegandachten, das Theaterstück „Die Verteidigungsrede des Judas“ - viel Vorbereitung hat das erfordert. Der Erfolg macht glücklich. Ulrike Baumann-Marx vom Organisations-Team sagt es nicht, aber es ist ihr anzusehen.

Den Kirchenraum öffnen, das habe nicht nur Besucher in die Ausstellung gelockt. „Innerhalb der Pfarrgemeinde sind viele Kontakte geknüpft worden“, freut sich der Pfarrer. Das sei angesichts der flächenmäßigen Größe der Gemeinde (die größte im Bistum) keine Selbstverständlichkeit. Dass zusätzlich die Ökumene davon profitiert hat, freut die beiden um so mehr.

Von einem neuen Projekt wollen Günther Falkenberg und Ulrike Baumann-Marx gestern Morgen nichts hören. „Wir müssen erst mal die Ausstellung abschließen, dann können wir uns damit befassen“, sagt der Pfarrer. Wohl wissend, dass von Besuchern entsprechende Anregungen gekommen sind. Die multifunktionale Nutzung des Kirchenraums wird keine Eintagsfliege bleiben. „Man könnte ja auch mal was mit Musik machen“, lässt Ulrike Baumann-Marx ihrer Fantasie freien Lauf.

Erfreulich aus ihrer Sicht: Erstaunlich viele Besucher aus der Großgemeinde hätten gesagt, dass sie bei einem ähnlichen Projekt mitmachen würden. Das bringe mehr als die Arbeit in Gremien, fügt das Mitglied des Organisations-Teams hinzu.

Unter dem Strich, so ein erstes Fazit von Günther Falkenberg, sei die Ausstellung hervorragend gelaufen. Das fange bei der Auswahl der Motive an (Landschaften, Tiere, Portraits, politische und religiöse Botschaften) bis zur überwältigenden Resonanz aus allen Altersgruppen. „Vom Kindergarten-Kind bis zum Senior - Otto Pankok hat alle Kreise angesprochen“, stellt er fest. Erwähnenswert aus seiner Sicht: Einige Erwachsene seien mit ihren Kindern gekommen, die ihre Eltern auf die Ausstellung hingewiesen hätten.

Beeindruckt habe Eva Pankok, die Tochter des Künstlers, bei den Gesprächen mit Jugendlichen. Aus Mettingen sei sogar eine Frau gekommen, die Material fürs Otto-Pankok-Museum mitgebracht habe sowie Hinterlassenschaften des jüdischen Malers Julo Levin, der wie Otto Pankok Mitglieder der Künstlergruppe Rheinland gewesen ist.

VON MICHAEL BAAR, LENGERICH

Ein Verräter im Zwiespalt seiner Gefühle

Sebastian Aperdannier aus Münster verkörpert den Judas in dem Theaterstück „Die Verteidigungsrede des Judas“ am Sonntag um 17 Uhr in der St.-Margareta-Kirche.

Lengerich - Die Verteidigungsrede der Judas, ein geistliches Theaterstück von Walter Jens, wird am Sonntag, 15. März, um 17 Uhr in der Kirche St. Margareta in Lengerich aufgeführt.

Er ist das Böse schlechthin. Er ist geldgierig, geizig und verrät aus genau diesen Gründen seinen Herrn für lächerliche 30 Silberlinge. Er nimmt in Kauf, dass durch den Verrat ein Prozess in Gang kommt, an dessen Ende ein Mensch ermordet wird. Die Rede ist von Judas, dem Verräter, der seit mehr als 2000 Jahren auf genau diese Rolle festgelegt ist, heißt es in einer Mitteilung der katholischen Kirchengemeinde.

In seinem Theaterstück „Die Verteidigungsrede des Judas“ zeigt der Autor Walter Jens einen anderen Jünger. Jens geht von der Prämisse aus, dass der biblische Verrat abgesprochen war, um den Prozess von Tod und Auferstehung überhaupt erst in Gang zu setzen. Folgerichtig wird in diesem Theaterstück ein menschlicher, zweifelnder Judas gezeigt, der an der Last seiner Rolle zerbricht und jeden Zuschauer mit der Frage nach Schuld und Unschuld konfrontiert.

Im Rahmen der Otto-Pankok-Ausstellung „Lebensspuren“ ist die Aufführung zu sehen am Sonntag, 15. März, um 17 Uhr in der Pfarrkirche St. Margareta in Lengerich. Die Rolle des Judas wird von Sebastian Aperdannier aus Münster verkörpert.

Der Eintritt ist frei. Um eine freiwillige Spende für ein Aidswaisenprojekt in Kaduha/Ruanda wird gebeten, heißt es in der Mitteilung.

Westfälische Nachrichten vom 14.03.2009

„Lebensspuren“ machen nachdenklich

Eva Pankok (links), die Tochter des Künstlers, wusste bei der Ausstellungs-Eröffnung interessante Details aus dem Leben ihres Vaters zu berichten.Foto:

Lengerich - Die Situation am späten Sonntagnachmittag in der Pfarrkirche St. Margarta war eine ganz besondere. Gut besetzt waren die Kirchenbänke mit Kunstinteressierten, die der Orgel- und Flötenmusik lauschten und ihre Blicke umherschweifen ließen in der Betrachtung der Werke des bedeutenden Künstlers Otto Pankok (1893 bis 1966), die jetzt unter dem Titel „Lebensspuren“ im Kirchenraum von St. Margareta zu sehen sind.

„Eine Kirche als Ausstellungsraum, das heißt nicht, dass unsere Kirche jetzt museumsreif ist“, machte Pfarrer Günther Falkenberg in seinen einführenden Worten deutlich. Ganz im Gegenteil: Religiöse Themen haben im künstlerischen Schaffen Otto Pankoks stets eine große Bedeutung gehabt. „Kirche und Kunst, das schließt sich bei Pankok nicht aus. Kirche und Kunst, das ist vielmehr eine Symbiose“, machte Falkenberg deutlich.
Diese einzigartige Symbiose, das spürten die Besucher der Vernissage, ist greifbar in der Komposition der ausgestellten Kohlezeichnungen und Holzschnitte, die bewusst auf eine umfangreiche Farbgebung verzichten, sondern mit unterschiedlichen Graustufen eine unvergleichliche Tiefenwirkung erreichen und sich harmonisch in den Kirchenraum einfügen. Menschen, Tiere und Landschaften erscheinen in der Tradition des realistischen Expressionismus und Vincent van Goghs. „Pankok macht mit seinen Werken die Unbegreiflichkeit des Seins erfahrbar“, sagte Annette Burger von der Otto-Pankok-Gesellschaft in ihren Ausführungen zur Ausstellung.

Wer war Otto Pankok? Wer war der eigenwillige Künstler, der 1893 in Mühlheim das Licht der Welt erblickte, ein Kunststudium abbrach, als Autodidakt arbeitete und schließlich an der Düsseldorfer Kunstakademie lehrte. Zur Vernissage war Eva Pankok, die 83-jährige Tochter des Künstlers, nach Lengerich gekommen. „Als mein Vater als kleiner Junge einen Bleistift in die Hand bekam, fing er an zu zeichnen und hat nie wieder damit aufgehört“, schilderte Eva Pankok und berichtete von der kongenialen Beziehung des Künstlers zu einer Journalistin, seiner späteren Ehefrau. Eva Pankok ließ in ihren Erzählungen ihren Vater, den Menschen Otto Pankok, lebendig werden und fast war es, als sei der Künstler, dessen Selbstbildnis in der Pfarrkirche St. Margareta zu sehen ist, anwesend.

» Zu sehen ist die Ausstellung „Lebensspuren“ bis zum 22. März. Öffentliche Führungen werden samstags (18.30 Uhr) und sonntags (10 Uhr) jeweils nach den Gottesdiensten angeboten. Darüber hinaus sind Predigtreihen und Betrachtungen geplant. Nähere Einzelheiten unter www.ausstellung-lebensspuren.de im Internet.

VON MARLIES GRÜTER, GREVEN  Bericht der WN vom 10.03.2009

Vernissage - Kirche als Ort der Begegnung

Im Vordergrund Frau Pankok und Frau Vogelsang

Nach langer Zeit der Planung und Vorbereitung war es endlich so weit. Die Vernissage zur Otto-Pankok- Ausstellung brachte den verdienten Erfolg. Die vielen Gäste wurden von Pfarrer G. Falkenberg freundlich begrüßt. In seinen einleitenden Worten ging er der Frage nach, wie sich am Beispiel der Werke von Otto Pankok Kunst und Kirche vereinbaren lassen. Frau Burger ging als pädagogische Museumsleiterin in Haus Esselt auf die Schwerpunkte der Ausstellung ein und erklärte das künstlerische Schaffen. In ansprechender und liebevoller Art erzählte dann Eva Pankok aus Leben ihres Vater, der sich an der Natur erfreuen konnte, ein besonderes Herz für die einfachen Leute hatte und am liebsten malte. Auch die musikalischen Beiträge zur Auflockerung des Programms fanden den Beifall der Besucher.

 Bevor alle genügend Zeit hatten, um die ausgestellten Bilder zu betrachten und auch miteinander ins Gespräch zu kommen, dankte Frau Baumann-Marx allen für die Mitarbeit und Unterstützung und wies auf den weiteren Ablauf der Ausstellung hin. Als Besonderheit sollte noch erwähnt werden, dass sich auf diese Ausstellung hin Frau Vogelsang meldete und erzählte, dass ihr Vater ein Klassenkamerad von Otto Pankok gewesen sei. So kamen an diesem Abend Frau Eva Pankok und Frau Vogelsang sicherlich zu einem interessanten Austausch von Erinnerungen. Da Kunst auch hungrig machen kann, konnte der angeregte Gedankenaustausch bei einem kleinen Imbiss im Gemeindehaus fortgesetzt werden. Der Vernissage war ein verheißungsvoller Start in zwei Ausstellungswochen zu den Werken von Otto Pankok.

Bilder und noch viel mehr

Die Statue „Kind mit Ball“ zählt zu den bekanntesten Kunstwerken von Otto Pankok.

Lengerich - Otto Pankok steht als Künstler in der Tradition des deutschen Expressionismus. Bekannt geworden ist der 1893 in Mülheim/Ruhr Geborene durch seine Grafiken. Als Mitglied der Künstlergruppe „Junges Rheinland“ wurde er schnell bekannt. Seine Art der Kunst kam bei den Nazis nicht an. 56 seiner Werke in deutschen Museen wurden beschlagnahmt. Seine Zigeuner-Bilder in der Ausstellung „Entartete Kunst“ präsentiert.

Eine der bekanntesten Grafiken von Otto Pankok ist der „einäugige Zigeuner“. Der ziert auch das Titelblatt des Flyers zur Ausstellung „Lebensspuren“. Vom 8. bis 22. März sind ausgewählte Werke des 1960 verstorbenen Künstlers in der St.-Margareta-Kirche in Lengerich zu sehen.

Mit dem Ausstellen der Bilder ist es für Ulrike Baumann-Marx und Barbara Schreck nicht getan. Die beiden Mitglieder des Organisations-Teams verweisen auf einen ganzen Kanon von begleitenden Veranstaltungen. Ein Höhepunkt, aus ihrer Sicht, ist die Vernissage der Ausstellung, zu der Eva Pankok kommen wird. Die Tochter des Künstlers wird am Sonntag, 8. März, ab 17 Uhr in der Margareta-Kirche aus dem Leben ihres Vaters berichten.

„Sie hat eine sehr lebendige Art des Erzählens und verschafft damit auf sehr eindringliche Weise Zugang zur Botschaft ihres Vaters“, sagt Ulrike Baumann-Marx.

Umrahmt wird die Eröffnung von jungen Musikern aus der Gemeinde. Führungen durch die Ausstellung sind ein weiterer Baustein, mit dem Leben und Wirken des Künstlers vermittelt werden sollen. „Einige Führungen sind schon gebucht“, berichtet Barbara Schreck. Jeweils ein Werk des Künstlers soll während der Zeit der Ausstellung in den Kirchen Maria Frieden Lienen, St. Christophorus Ladbergen, St. Michael Tecklenburg und in der evangelischen Stadtkirche Tecklenburg gezeigt werden. „Wir schlagen damit nicht nur den Bogen durch unsere große Gemeinde Seliger Niels Stensen, sondern setzen auch auf die Ökumene“, beschreiben die beiden Frauen die Intention hinter dieser Öffnung.Ein Projekttag „Lebensspuren rund um Otto Pankok“ ist für Sonntag, 15. März, geplant. Der soll mit einem geistlichen Theaterstück abgeschlossen werden. Sebastian Aperdannier (Münster) wird um 17 Uhr „Die Verteidigungsrede des Judas“ - ein Stück von Walter Jens - in der Kirche St. Margareta halten.Als alternative Form der Kreuzweg-Andacht und der Begegnung mit Kunst beschreiben die Organisatorinnen die Veranstaltungen „Betrachtungen zu Bildern Otto Pankoks von der Passion Jesu und der Menschen“. Am Freitag, 13. und 20. März, wird jeweils um 20 Uhr in der Margareta-Kirche auf einige Werke asu dem 60 Bilder umfassenden „Passions-Zyklus“ des Künstlers eingegangen. Gestaltet werden die beiden Abende von Peter Kopmeier (Lüdinghausen).» Wer Interesse an Führungen hat, wendet sich an das Pfarrbüro (Tel.: ' 05481/3405). Weitere Informationen unter www.stensen.de im Internet.

Westfälische Nachrichten vom 27.02.2009

Gespräch mit Eva Pankok
Im Museum
Zeit für Gespräche
Haus Langen (Westbevern)

Besuch des Pankok-Museums in Hünxe am 15.02

Um uns Otto Pankoks Leben und Werk möglichst lebendig zu erschließen,  fuhren wir, das erweiterte Vorbereitungsteam, am 15.02 gemeinsam Richtung Hünxe-Drevenack. Nach einem kurzen Zwischenstopp auf dem wegen seiner Grabskulpturen sehenswerten Friedhof in Marienthal wurden wir im Haus Esselt von Eva Pankok herzlich begrüßt.

 Bei Kaffee und Kuchen hat sie uns persönlich aus dem Leben ihres Vaters Otto Pankok erzählt. Von seiner Lebenseinstellung, seiner Hinwendung zu benachteiligten oder verfolgten Menschen sprechen auch seine Bilder, die anschließend im Otto-Pankok-Museum besichtigt werden konnten. Ansprechende Bilder von Menschen und Landschaften, von verschiedenen Orten seines Schaffens, ob im Emsland, in Spanien, in Masuren, in Montenegro oder Frankreich. Dabei war auch Gelegenheit, anstehende Fragen an Eva Pankok zu stellen. Nach einem gemeinsamen Abendimbiss traten wir mit der Gewissheit die Heimfahrt nach Lengerich an, dass sich trotz der schlechten Witterung dieser Besuch gelohnt hat.

Wenn Fragen sind, dann
Fax 05481 / 84195
e-Mail
info@stensen. oder "Kontakt"

 

Kirche St. Margareta als Begegnungsraum der Kunst

Pfarrer G. Falkenberg

Mit der Präsentation in der Kirche möchte Günther Falkenberg, leitender Pfarrer der Niels-Stensen-Gemeinde, eine Auseinandersetzung mit dem Kunstschaffenden und seinen Arbeiten beginnen. "Kirche lebt nicht nur von den Strukturdebatten, sondern vom Gespräch mit der Welt, in diesem Fall mit der Kunst." Leben und Werk von Otto Pankok eigneten sich gut für eine inhaltliche Beschäftigung. "Wir wollen auch Menschen ansprechen, die vielleicht nur noch losen Kontakt zur Kirche halten", sagt Falkenberg. Vorbereitet werden auch pädagogische Begleitmaterialien für Kindergärten und Schulen.

Warum ausgerechnet Otto Pankok?

"Warum ausgerechnet Otto Pankok?"

Diese Frage taucht - seit die Idee einer Ausstellung in Lengerich geboren ist - immer wieder auf. Der erste Anknüpfungspunkt ist, wie so häufig, eine persönliche Bekanntschaft mit Eva Pankok, der einzigen Tochter von Otto Pankok, selbst Malerin und Nachlassverwalterin ihres Vaters.

Auf dem Territorium meiner früheren Kirchengemeinde liegt Haus Esselt, Otto Pankoks Zuhause und Wirkungsstätte bis zu seinem Tod am 20 Oktober 1966 in Wesel. Seine Werke faszinieren mich seit meiner Einführung als Pfarrer 1988 in Wesel. Für seinen Passionszyklus begann ich mich ziemlich rasch zu interessieren. Schon allein deshalb, weil mir die evangelische Kirchengemeinde Hünxe-Drevenack einen Band mit Bildern seines Passionszyklus als Einführungsgeschenk überreicht hat.

Aber schon viel früher, als ich mit dem Namen Otto Pankok überhaupt noch nichts verband, zog mich sein Holzschnitt "Christus zerbricht das Gewehr" in seinen Bann. In meiner früheren Gemeinde wurde dieses Bild 1992 das Erinnerungsbild für den gefeierten Christkönigssonntag.

Das war auch der Auslöser, dass ich mit interessierten Gemeindemitgliedern eine Ausstellung mit Bildern von Otto Pankok in die Wege leiten konnte. Es war spannend, den Kircheraum einmal ganz anders zu erleben. Ein Kirchenraum mit Bildern aus einer Hand. Ein Kirchenraum mit vielen Botschaften. Ein Kirchenraum betreten von Menschen, die sonst nichts mit Kirche am Hut hatten und die dankbar waren, dass wir ihnen Bilder zugänglich machten, die auch einige Kilometer weiter in Haus Esselt zu sehen waren, aber vermittelt durch die Kirchengemeinde und im Kirchenraum nochmals eine neue Faszination ausübten.

In meinen Weseler Jahren habe ich oft - allein oder mit Gästen - Haus Esselt besucht. Die Bilder, aber immer auch die herzliche Begegnung mit Eva Pankok, bleiben mir in lebendiger Erinnerung. Unvergesslich ist mir auch die Begegnung von Eva Pankok mit Dom Adriano Hypolito OFM, Bischof von Nova Iguacu in der Bannmeile von Rio de Janeiro, der mich bis zu seinem Tod im Jahr 1997 jährlich in Wesel besuchte, mit dem wir 1995 das 50. Priesterjubiläum feiern konnten. Am Nachmittag des Festtags besuchten wir Haus Esselt. Die Friedensaktivistin Eva Pankok und der Befreiungstheologe Adriano verstanden sich auf Anhieb und wurden an diesem Tag Freunde.

"Aus dem Auge, aus dem Sinn." Das könnte man fast sagen. Aber Eva Pankok frischte den alten Kontakt wieder auf. Im Februar dieses Jahres erreichte mich Post von ihr. Sie übermittelte mir ihre neue Biographie und schrieb: " Lieber Herr Falkenberg, endlich habe ich ihre Adresse bekommen. Ich denke noch oft an das schöne Abendessen bei Ihnen, wo der Bischof sagte: "Wenn man zusammensitzt, das ist immer ein Abendmahl.""

Der Bann war gebrochen. Diese Sätze reichten aus, um die Idee reifen zu lassen: Wieder eine Ausstellung mit Bildern von Otto Pankok.

Ich bin froh und dankbar, hierfür interessierte Gemeindemitglieder gewonnen zu haben, mit denen zusammen ich nun diese Idee in die Tat umsetzen kann. Einer aus dem sich mittlerweile konstituierten Arbeitskreis sagte nach einigen Begegnungen mit Eva Pankok: "Wer sie persönlich erlebt und ihren Erzählungen zuhört, der kann gar nicht anders, als sich von ihr anstecken lassen - von ihrer Wertevorstellung, die sich konsequent im bewegten Leben der Künstlerin spiegelt, und von ihrer Begeisterung, mit der sie das Werk ihres Vaters Menschen nahezubringen versucht."

Pfarrer Günther Falkenberg

Otto Pankoks Lebenslauf

1893

Am 6. Juni in Saarn bei Mühlheim/Ruhr als Sohn eines Landarztes geboren.

1912Sechs Wochen an der Akademie in Düsseldorf, sieben Monate an der Kunstakademie in Weimar, wo er Gert Wollheim kennenlernt.
1913Erste Ausstellung bei dem Kunsthändler Oncken in Oldenburg.
1914Einberufung zum Kriegsdienst.
1917Nach Lazarett- und Sanatoriumsaufenthalt Zivilist, lebt er zunächst in Berlin, dann in Vechta.
1918Ausweisung aus echta. Pankok hatte versucht, mit eigenen Holzschnitt-Flugblättern in die örtliche Auseinandersetzung nach Kriegsende einzugreifen.
1919Gemeinsam mit Gert Wollheim, den er 1918 wiedergetroffen hat, geht er nach Düsseldorf.
1920Beide Malerfreunde beteiligen sich am „Aktivistenbund“ und stellen gemeinsam mit der Gruppe „Junges Rheinland“ in der Kunsthandlung von Johanna Ey aus.
1921Heirat mit der Journalistin Hulda Droste
1922Erste Veröffentlichung über Pankok
1924Erste Italienreise; Beginn der Pressezeichnungen für die Düsseldorfer Tageszeitung „Der Mittag“.
1925Geburt der Tochter Eva.
1926-28Aufenthalt in Drevenack bei Wesel
1927-30Reisen nach Südfrankreich, Spanien und Holland
1931Aufenthalt in Frankreich (Cevennen, Rhône-Tal). In Saintes-Maries-de-la-Mer begegnet er den Sinti. Zurück nach Düsseldorf geht er zu den im „Heinefeld“ lebenden Sinti. Bis 1934 stellt er sie und ihr Leben häufig dar. Zeitweilig und arbeitet er im „Heinefeld“.
1932Große Ausstellung in der Städtischen Kunsthalle Mannheim.
1933Mit der Machtübergreifung der Nationalsozialisten setzen auch in Düsseldorf Verfolgungen von kommunistischen und fortschrittlichen Künstlern ein. Passionsbilder werden aus der Ausstellung „Westfront“ in Essen entfernt.
1934Reise nach Ostpreußen in die Masuren. Pankok zieht sich in den folgenden Jahren zunehmend auf das Land zurück.
1935Aufenthalt in Haus Langen/Münsterland. Die Passionsbilder werden in Mühlheim/Ruhr und Münster gezeigt, gefolgt von heftigen Angriffen; die Ausstellung in Mühlheim muss geschlossen werden. Bis 1945 folgen keine Ausstellungen mehr.
1936Beginn von Hausdurchsuchungen und Polizeikontrollen. Pankok erhölt Arbeitsverbot.
1937Die Ausstellung „Entartete Kunst“ zeigt „Zigeuner“-Lithographien von Otto Pankok.
1939Pankok versteckt einen Großteil seiner Bilder bei Freunden. Ein Emigrationsversuch in die Schweiz scheitert.
1940Pankok hält das Schicksal der Juden in zahlreichen Bildern fest.
1941Umzug nach Iversheim in die Eifel, das Wohnhaus in Düsseldorf wird durch Bomben zerstört.
1944Die Familie Pankok versteckt monatlang Mathias Barz und seine jüdisch Frau, die so dem KZ entgeht.
1946Rückkehr nach Düsseldorf. Wieder Personalausstellungen.
1947Berufung als Professor an die Kunstakademie Düsseldorf.
1948Es entstehen erneut Bilder aus dem Leben der Sinti.
1950Pankok unternimmt die erste Auslandsreise seit 1933. Das Reiseziel ist, wie in den darauffolgenden Jahren, Frankreich. Der Holzschnitt „Christus zerbricht das Gewehr“ entsteht.
1953Grafikpreis der Bienale von Sao Paulo.
1957Ernennung zum Korrespondierenden Mitglied der Akademie der Künste Berlin (DDR).
1958Ernennung zum Korrespondierenden Mitglied der Akademie der Künste Berlin (DDR).
1961Arbeitsunterbrechung wegen Krankheit. Pankok unterzeichnet den anlässlich der Bundestagswahl verfassten Aufruf, nur Atomwaffengegner zu wählen, demonstrativ tritt er in die Friedensunion ein.
1965Verleihung des „Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft“.
1966Mit dem Holzschnitt „Haltet ein!“ formuliert Pankok seinen Protest gegen den Vietnamkrieg. Am 20. Oktober stirbt Otto Pankok in Wesel.

Kunst trifft Kirche

Pfarrer Günther Falkenberg, Pastoralreferent Norbert Brockmann, Ulrike Baumann-Marx (Pfarrgemeinderat) und Pater Michael Hürter (von links) wollen im Vorfeld der Ausstellung mit Werken von Otto Pankok quer durch alle Altersgruppen und Konfessionen ein Miteinander anregen.

Lengerich. Es hat etwas Visionäres, wie Günther Falkenberg so erzählt. Eine Ausstellung, die nicht nur Werke eines Künstlers zeigt. Eine Präsentation, in deren Vorfeld schon auf breiter Basis die Auseinandersetzung mit dem Kunstschaffenden und seinen Arbeiten beginnt. Quer durch alle Altersgruppen, quer durch alle Bildungseinrichtungen, quer durch alle Konfessionen – der katholische Pfarrer als Querdenker?

 „Wenn wir nur die Werke hinstellen, kommt kein Mensch“, ist er überzeugt. Auch wenn es sich um Arbeiten von Otto Pankok handelt. Dass die vom 8. bis 22. März 2009 in der Kirche St. Margareta gezeigt werden, hält er für völlig normal. „Wir haben lange genug in Strukturen debattiert, jetzt ist was anderes dran“, ist ihm die Begeisterung für den in Mühlheim geborenen Künstler deutlich anzumerken.

Doch der Oberhirte der Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen ist nicht allein. „Wir betreten Neuland“, sagt Ulrike Baumann-Marx vom Pfarrgemeinderat. Werke des 1966 verstorbenen Künstlers seien noch nie in der Region gezeigt worden. „Wir wollen nicht nur die Kirche, auch die Gemeinde für Kunst öffnen“, setzt sie darauf, dass über die Kohlezeichnungen und Holzschnitte des Künstlers die Menschen ins Gespräch kommen.

Eines der bekanntesten Werke von Otto Pankok, „Christus zerbricht das Gewehr“, dürfte entsprechende Impulse auslösen. Gerade dieses Bild, davon ist Pater Michael Hürter überzeugt, transportiert die Botschaft des Evangeliums. Ein neuer Zugang zum Umgang mit christlichen Werten? „Wir wollen den Schlüssel dazu liefern“, betont er.

Dass es gar nicht so einfach ist, sich in die Werke des für Vincent van Gogh schwärmenden Pankok hineinzuversetzen, räumt Norbert Brockmann ein: „Ich brauchte Zeit, um mir die Bilder zu erschließen.“ Das mag anderen auch so gehen, und da will die Kirchengemeinde schon weit im Vorfeld ansetzen.

Pädagogisches Begleitmaterial für Kindergärten und Schulen gibt es. „Wir brauchen aber auch Menschen, die uns begleiten“, hat Michael Hürter konkrete Vorstellungen. Warum nicht ein Projekt am Gymnasium, in dem Schüler beleuchten, was Hannah Arendt und Otto Pankok verbindet? „Die Ergebnisse könnten während der Ausstellung an einem Tag gezeigt werden“, regt er an.

Pastoralreferent Norbert Brockmann lenkt den Blick auf eine offene Frage: „Wie führt man Kinder durch die Ausstellung?“ Spontan weiß keiner der vier am Tisch Sitzenden eine Antwort. Doch die wird gefunden, ist in den Mienen abzulesen.

Der Zugang zu den Bildern soll ermöglicht werden. Deren Einbeziehung in den Gottesdienst ist nur eine Facette. „Wir wollen auch Menschen ansprechen, die mit Gottesdienst vielleicht nichts am Hut haben“, will Günther Falkenberg weite Kreise ziehen.

Mindestens ein Bild soll in jeder Filialkirche der Gemeinde gezeigt werden. „Wir wollen Interesse wecken und das Gemeinschaftsgefühl fördern“, sagt der Pfarrer.

„Die Türen sind bei uns immer offen, aber jetzt wollen wir bewusst einladen.“ Zu einem Treffen mit Kunst, durch und mit der sich Menschen begegnen.

von Michael Baar, Lengerich 

Quelle: Westfälische Nachrichten/ Mittwoch, 24. September 2009

Weitere Informationen zu Otto Pankok und seinem Werk findem Sie auch unter folgendem Link.

 

Besonders empfehlen wir auch die Seite der Otto-Pankok-Gesellschaft: www.pankok.de

 

 

Moderne Kunst im Gespräch


 

Lengerich. Ein Treffpunkt für Interessierte der modernen Kunst wird im März nächsten Jahres die Lengericher Pfarrkirche St. Margareta, wenn 70 Werke des Künstlers Otto Pankok zum Betrachten und Nachdenken einladen.

Schon die Vorbereitung der Ausstellung mit Werken von Otto Pankok (1893 bis 1966) bereitet den Organisatoren der Gemeinde Seliger Niels Stensen sichtlich Freude. "Eine Kunstausstellung zu konzipieren ist besonders reizvoll, weil man sich schon im Vorfeld mit den Werken auseinander setzen muss", sagt Pfarrgemeinderatsmitglied Ulrike Baumann-Marx und zeigt verschiedene Kohlezeichnungen und Holzschnitte des Künstlers, dessen bekanntestes Werk "Christus zerbricht das Gewehr" 1950 entstand. Das Bild wurde im Rahmen der Friedensbewegung oft abgedruckt.

 (Text und Foto: Johannes Bernard)

Den vollständigen Bericht lesen Sie bitte unter kirchensite.de

 

Termine und Angebote während der Ausstellung

Neuigkeiten zur Ausstellung „Lebensspuren“

Pfarrer Günther Falkenberg, Pastoralreferent Norbert Brockmann, Ulrike Baumann-Marx (Pfarrgemeinderat) und Pater Michael Hürter (von links)
Christus zerbricht das Gewehr

Werkauswahl

Die Werkauswahl ist fast abgeschlossen. Über 60 Exponate werden nach Lengerich kommen. Dabei werden folgende Schwerpunkte gesetzt:

  • Religiöse Motive
  • Kohlezeichnungen
  • Portraits
  • Tierbilder
  • Politische Botschaften
  • Landschaften
  • Bronzeplastik

Die Ausstellung mit Werken von Otto Pankok soll quer durch alle Altersgruppen und Konfessionen ein Miteinander anregen.

Aufmerksamkeit verdienen besondere Veranstaltungen, wie

  • die Vernissage mit Eva Pankok,
  • Projekttage für Schulklassen, Präsentation der Schülerergebnisse,
  • Predigtreihen,
  • die Verteidigungsrede des Judas mit H. Aperdannier,
  • Betrachtungen zu Werken Otto Pankoks mit Peter Kopmeier,
  • Frau Pankok/Frau Burger laden zu Begegnung und zur kreativen Arbeit in den Ausstellungsräumen ein.

Interessierte Gruppen und Schulklassen möchten sich bitte anmelden!

Siehe Sonderveranstaltungen

Die Präsenzbibliothek ist eingerichtet

 Für alle, die sich näher mit Otto Pankok und seinem Werk beschäftigen möchten, wurde einiges an Literatur im Pfarrhaus zusammengetragen. Diese kleine Bibliothek steht innerhalb der Öffnungszeiten des Büros der Kirchengemeinde jedermann offen.

Öffnungszeiten

Büro der Kirchengemeinde, Kolpingstr 14, 49525 Lengerich
Telefon: 05481/3405
montags von 08.30 bis 09.30, donnerstags und freitags von 09:30 Uhr bis 12:00 Uhr, dienstags von 10:00 bis 15:00 Uhr, mittwochs von 11.00 bis 13.00 Uhr, donnerstag zusätzlich von 16:00 Uhr bis 19:00 Uhr